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Paper des Monats Dezember 2018: Breast Cancer Tissue Markers, Genomic Profiling, and Other Prognostic Factors
kommentiert von Dr. Finn Drescher, Universitätsklinikum Essen

Titel: Breast Cancer Tissue Markers, Genomic Profiling, and Other Prognostic Factors: A Primer for Radiologists

Autoren: Tirada N, Aujero, M, Khorjekar G, Richards S, Chopra J, Dromi S, Ioffe O
In: Radiographics, Oktober 2018; 38:1902-1920

„Eine strukturierte und umfassende Arbeit über Prognosefaktoren beim Mammkarzinom.“

 

Kurzbeschreibung: 

Das zugrundeliegende Paper gibt einen Überblick über das TNM-Staging, die Histologie, den Hormonrezeptorstatus sowie über mulekulargenetische Marker und die Tumorbiologie des Mammakarzinoms und stellt Prognosefaktoren heraus, die im klinischen Management von Mammakarzinomen wichtig sind.

Hintergrund:
Das Mammakarzinom ist die häufigste onkologische Erkrankung der Frau in der westlichen Welt. In den Vereinigten Staaten beträgt das Lebenszeitrisiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken, 12,5 % (1 von 8 Frauen). Allein in den Vereinigten Staaten gab es im Jahr 2017 ca. 250.000 Frauen mit neu diagnostiziertem Mammakarzinom und zusätzlich ca. 63.000 neu diagnostizierte DCIS-Läsionen. 
Auch in Deutschland ist das Mammakarzinom aufgrund seiner epidemiologischen Bedeutung nicht nur für die klinischen Disziplinen, sondern insbesondere auch für die bildgebenden Fächer relevant. In diesem Jahr wurde in Deutschland die bestehende S3-Leitlinie aus dem Jahr 2012 aktualisiert – mit Änderungen und Konsequenzen für die Radiologie, insbesondere für das Staging von Mammakarzinomen. Insofern stellt das vorliegende Paper eine wichtige Grundlage dar, um prognostischen Faktoren beim Mammakarzinom und deren Auswirkungen auf das radiologische Staging und die Therapie zu verstehen.

Inhalt:

Die Prognosefaktoren beim Mammakarzinom sind deshalb so relevant, um PatientInnen zu identifizieren, deren Tumor aggressiver wächst und die somit einer anderen Therapie zugeführt werden müssen. Zudem sind Prognosefaktoren wichtig, um frühzeitig Patienten zu erkennen, deren Tumor möglichweise resistent gegenüber einer Systemtherapie ist.
Initial erläutern die Autoren den Einfluss von Risikofaktoren wie Alter, ethnischer Zugehörigkeit sowie von Lifestyle-Faktoren. So führe exemplarisch das Rauchen in der Zeit vor und nach der Diagnose „Brustkrebs“ zu einer signifikant höheren Mortalität.
Im Abschnitt über die Bildgebung des Mammakarzinoms gehen die Autoren auf das Mammographie-Screening ein. Wird im Rahmen eines Mammographie-Screening eine DCIS-Läsion diagnostiziert, so ist die Prognose mitunter ausgesprochen gut (20-Jahres Mortalität von 3,3 % gegenüber 23,3 % für invasive Karzinome). Zudem legen die Autoren dar, dass ein Mamma-MRT in ausgewählten Fällen in einem frühen Stadium – beispielsweise bei multifokalen Befall, bei Infiltration der Brustwand, bei High-Risk-Typen – sinnvoll sein kann. Im Weiteren gehen die Autoren auf Faktoren wie Brustdichte, Tumorgröße und Multizentrizität ein.
Im Abschnitt über die Histopathologie des Mammakarzinoms betonen die Autoren die Prognoserelevanz des histologischen Tumorgradings. In diesem Kontext gehen sie auf die Elston-Ellis-Klassifikation ein, die eine objektive Beurteilung von Tumordifferenzierung (tubuläre vs. glanduläre Diffenzierung), Kernmorphologie sowie Mitoseaktivität erlaubt.
Im Weiteren wird der Stellenwert von ER- und PR-Rezeptor, HER-2 sowie des Ki-67-Antigens diskutiert. Die labortechnische Analyse von Ki-67 sei bisher noch nicht in der Form standardisiert wie die der Hormonrezeptoren. In einer Grafik werden die 4 definierten Subtypen des Mammakarzinoms graphisch herausgearbeitet (Luminal A, Luminal B, „HER2-enriched Tumors“, Triple Negativ). Herausgestellt wird hier die Entität der Luminal A Tumoren, da diese die häufigsten Tumoren sind und mit der besten Prognose assoziiert sind, da sie durch eine hohe Expression von ER und niedrige Expression von HER2 und Proliferationsmarkern wie Ki-67 charakterisiert sind.
Abschließend gibt die Arbeit einen Ausblick auf die Entwicklung von genetischen Tests, die vorhersagen können, ob bei einem ausgewählten Patienten, eine adjuvante Chemotherapie anspricht oder nicht. Die „American Society of Clinical Oncology (ASCO)“ hat bereits Biomarker-Tests bei Patienten mit frühem Stadium eines Mammakarzinoms (LK-negativ, ER positiv) mit in ihre Empfehlungen aufgenommen.

Konzeption und Benefit:

Das Übersichtspaper ist in 4 Abschnitte gegliedert:
1. Patientenbezogene Faktoren
2. Bildgebung des Mammakarzinoms
3. Histopathologie des Mammarkarzinoms
4. Tumormarker/-Tumorbiologie des Mammarkarzinoms

In Abschnitt 1 werden patientenbezogene Risikofaktoren (Alter, Ethnizität und Lifestyle-Faktoren) diskutiert, während in Abschnitt 2 die Bildgebung des Mammakarzinoms im Mittelpunkt steht. Abschnitt 3 knüpft an die Bildgebung an und fokussiert sich auf die histopathologischen Befunde. Abschnitt 4 konzentiert sich auf Hormonrezeptoren, Proliferationsmarker und Tumorbiologie. In einem übersichtlichen Flow-Chart sind zudem die verschiedenen molekularen Subtypen des Mammakarzinoms graphisch aufgezeigt.
Einen wesentlichen Benefit der Studie stellt die umfassende Aufarbeitung der Prognosefaktoren dar, die in einer Arbeit übersichtlich darstellt und kompakt präsentiert werden.  Darüber hinaus zeichnet sich die Arbeit durch die Aktualität der wissenschaftlichen Daten aus.

Fazit:

Auf dem Weg zu einer personalisierten onkologischen Medizin wird es im Management von Mammakarzinomen zunehmend wichtiger, neben dem radiologischen Staging die Tumorhistologie, die Molekulargenetik sowie die Tumorbiologie miteinzubeziehen. 
Das Übersichtspaper arbeitet strukturiert entscheidende Prognosefaktoren des Mammakarzinoms auf und bietet eine gute Grundlage für Assistenzärzte, die ihr Wissen über Mammabildgebung vertiefen möchten. 

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